Mentale und emotionale Organisation in ungewissen Zeiten.

Aus gegebenen Anlass möchte ich mich mit dem aktuellen Thema beschäftigen, welches uns derzeit weltweit in Atem hält: dem Coronavirus. Und mit einem daraus resultierenden TABUTHEMA: den Umgang mit unseren Ängsten und Sorgen, mit Unsicherheit und Ungewissheit. Die Thematik rund um den Virus und die damit verbundenen Konsequenzen sind nun weltweit und in jedem Lebensbereich angekommen. Ich selbst und wir alle mittendrin. Wie gehen wir nun mit unseren Gefühlen diesbezüglich um? Oder lassen wir die Gefühle mit uns umgehen? Wie können wir uns für eine Zeit, welche ungewiss vor uns liegt, gut wappnen und agieren, ohne ausschließlich nur zu reagieren. Wie können wir uns mental und emotional organisieren, sodass wir uns in unserem Inneren Sicherheit schaffen, ohne es im Außen so vorzufinden, wie wir es eigentlich gerade erwarten und bräuchten? Und wie lassen sich unsichere Entwicklungen und damit einhergehende komplexe Situationen grundsätzlich allgemein (positiv) gestalten? Ich habe mich im Zuge meiner eigenen „Unsicherheit“ mit der derzeitigen Situation intensiv auseinandergesetzt und fasse hier einige Themen oder viel mehr Erkenntnisse zusammen, wobei ich hier hinweisen möchte, das keine allgemein erfolgssicheren Strategien im Umgang mit komplexen Anforderungen existieren. Vielmehr muss jeder die für ihn passenden Strategien finden, welche auch natürlich typgerecht festgemacht werden dürfen. Der gläubige Analytiker wird völlig anders an die Dinge herangehen, als der lustbetonte Draufgänger oder der Klarheits-Suchende. Grundsätzlich aber stressen uns alle Unsicherheiten. Und wesentlich schlimmer noch: je mehr wir gestresst sind, desto größer ist unser Bedürfnis und Verlangen nach Klarheit. Es ist nun in dieser komplexen Situation notwendig, Belastungen auszuhalten (Resilienz), als auch Unsicherheiten (Ambiguitäten) zu ertragen und sogar schlussendlich damit zu arbeiten und in der Folge auch aktiv mitzugestalten. 

Aber warum können wir das Ungewisse eigentlich so schlecht aushalten? Der Mensch hat ein fundamentales Bedürfnis nach einer geordneten und sicheren Welt. Wir alle wollen Kontrolle über unser Leben, ganz besonders in bedrohlichen Situationen. Unsere Wahrnehmung von persönlicher Kontrolle ist aber auch recht unterschiedlich ausgeprägt. Wer sich jedoch bemüht, den Umgang mit Ungewissheit zu lernen, dem können sich neue Perspektiven eröffnen und neue Blickwinkel können eingenommen werden.

Grundsätzlich benötigt jede ungewisse Situation als allerersten Schritt Akzeptanz. 

UNGEWISSHEIT ZU AKZEPTIEREN HEISST, SICH AUF DIE AKTUELLE SITUATION ZU KONZENTRIEREN. (Theodor Schaarschmidt).

Bedeutet in der Folge, sich der Sache und Situation nicht hinzugeben oder diese ausschließlich auszuhalten, sondern sich selbst zu Beginn vorerst einmal gute Fragen zu stellen. Habe ich mich selbst gründlich genug über die Thematik informiert? Bin ich weit und tief genug mit Informationen versorgt? Welchen Quellen bzw. Autoritäten kann ich vertrauen und Folge leisten? Wie und in welchem Rahmen betreffen mich gesetzte Maßnahmen? Was konkret fühlt sich instabil an – was konkret fühlt sich aber im Gegensatz dazu sehr stabil an? Auf welche Menschen, Dinge und Situationen kann ich mich derzeit verlassen? Was kann ich besonders gut und auf welche eigenen Ressourcen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Talente kann ich zurückgreifen und gerade jetzt einbringen? 

Wir haben grundsätzlich so viele Möglichkeiten, mit schwierigen Situationen kreativ und gestalterisch umzugehen. Wenn uns nicht gerade die Angst beherrscht. Oder sogar die Angst vor der Angst. Angst zu haben, ist derzeit völlig kontraproduktiv. Ersetzen wir doch die Angst mit Verantwortung, Vorsicht und Respekt und mit weiteren Werten – zwar weitestgehend unbeliebten – aber durchaus in ungewissen Situationen sehr wichtigen Werten: mit Reduktion und Verzicht. Sich reduzieren und verzichten können bedeutet, nicht Sklave seiner Bedürfnisse zu sein, sondern SELBSTBESTIMMT zu leben. Wenn wir bewusst entscheiden, etwas nicht zu brauchen, oder auf etwas zu verzichten, unterstützen wir aktuell zum Beispiel dadurch bestimmte Ziele, sowohl im individuellen Mikrokosmos – sprich eigene Ansteckung und deren Multiplikation – , als auch im gesamten Makrokosmos: wir verhindern die weitere Ausbreitung des Virus und schützen unsere ältere Generation. Und wir gestalten durch Verzicht die vollständige Überlastung unseres Gesundheitssystems mit. Und wir erhöhen damit die Möglichkeit drastisch, dass diese Situation sich nicht so dramatisch zeigen wird, wie befürchtet. Die Fragen, welche hier miteinhergehen sind die Folgenden: Was kann ich jetzt tun? Wie kann ich jetzt mitgestalten und was kann ich einbringen? Auch wenn ich selbst im Großen keine Veränderung herbeiführen kann. 

Die Theorie „U“ des deutschen MIT-Forschers und Beraters Otto Scharmer gibt uns im Umgang mit Ungewissheit einen wegweisenden Denkansatz mit. Scharmers zentraler Gedanke lautet: wie sich eine Situation entwickelt, hängt wesentlich davon ab, wie man an sie herangeht. Das bedeutet, dass der Ausgang einer Situation massiv von der eigenen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit getragen wird. Man erkennt Potenziale und Chancen indem man zunächst auf sich selbst achtet. 

Das chinesische Wort für Krise besteht aus zwei Silben: die eine symbolisiert Gefahr und Risiko. Die andere Chance. Vielleicht kann man die Symbolik so in etwa übersetzen: eine Krise ist eine gefährliche Chance. Und wenn wir die Chancen von Krisen erkennen und nutzen, dann können wir uns weiterentwickeln und wachsen. Es besteht jetzt für jeden von uns auch die große Chance, viele neue Blickwinkel auf die gesamte Welt einzunehmen, unsere Position und unsere Bedingtheiten neu wahrzunehmen. 

Denn alles was wir tatsächlich haben, ist das JETZT. Und damit können wir die Zukunft gestalten.

 

Ich habe in den nächsten Wochen eine kostenlose Hotline eingerichtet, damit du mit mir darüber sprechen kannst.

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